DOMOVOI (sing. / Domovoi, der) Slawischer Hausgeist, den man lieber nicht verärgern sollte. Obwohl ein Domovoi alles andere als scheu ist und aktiv Kontakt zu den Lebenden sucht, weiß man kaum etwas über diesen sonderbaren Geist der Kategorie Fünf. (Was vor allem daran liegt, dass die meisten Domovois schnell unangenehm werden, wenn man zu viele Fragen stellt.) Niemand weiß, wieso manche Männer nach ihrem Tod zu einem Domovoi werden und in einem zeitlosen Vorort des Jenseits zwischen den Lebenden und Toten feststecken. Magische Wissenschaftler vermuten, dass es etwas mit Unwahrscheinlichkeiten, Rissen im Raum-Zeit-Kontinuum und den Einlass-Kriterien des Jenseits zu tun hat.

Obwohl es eigentlich die Aufgabe eines Domovoi ist, Häuser und die darin lebenden Menschen zu beschützen, wurde recht früh sehr vielen Domovois klar, dass diese ganze Beschützersache mehr Spaß macht, wenn man sich dafür bezahlen lässt. Daraus entwickelte sich der heute stark verbreitete Trend aus kriminellen Zusammenschlüssen verschiedener Hausgeister, die gegen passende Bezahlung auf Wohnungen und Häuser aufpassen - oder in die besagten vier Wände einbrechen. Je nachdem, wer mehr bezahlt.

Das größte Geheimnis eines Domovoi ist sein Name. Dieser wird streng gehütet und unter Pseudonymen versteckt. Wer ihn kennt, kann den Geist jederzeit und überall beschwören. Und das ganze OHNE Bezahlung.

Anmerkung des Verfassers: Der russische Geisterforscher Pawel W. Ponomarjow entwickelte 1885 die These, dass ein Domovoi innerhalb von vier festen Mauern über eine solche Macht verfügt, weil seine bloße Anwesenheit eine Beleidigung für die Naturgesetze ist. Laut Ponomarjow kann es so etwas "Unsinniges" wie den Domovoi aus physikalischer Sicht gar nicht geben, daher kommt es auf Grund der magischen Spannung zu einer Verkrümmung der Realität. Leider konnte der junge Ponomarjow seine These nicht weiter ausbauen, da er kurz nach Veröffentlichung seiner Arbeit tragischerweise einen "Unfall" erlitt - und mit aufgeschlitzter Kehle tot in seiner von innen verbarrikadierten Wohnung gefunden wurde.

DRUIDE (sing. / Druide, der) Heiler und Kräuterkundiger, der seine Magie aus der Erde zieht. Im Gegensatz zu den meisten magischen Wesen leben die Druiden schon seit Anbeginn der Zeit friedlich unter den Menschen. Bis zum Beginn der römischen Kaiserzeit praktizierten sie sogar offen ihre Magie, indem sie Zaubertränke für ihren Stamm brauten, die ihre Krieger unmenschlich stark und unverwundbar machten. Leider kamen ein paar machtgierige Druiden im heutigen Frankreich auf den Geschmack von Menschenopfern und versauten damit für alle Zeiten den Ruf ihrer Brüder und Schwestern. Die Menschen fingen an die Magie zu fürchten und vertrieben die "Giftmischer" schließlich aus ihren Stämmen. Die Druiden waren fortan einem Leben der Isolation verschrieben, welches sie damit füllten, Steinen das Fliegen beizubringen und nutzlose Skulpturen und Steinkreise zu erschaffen, über dessen Sinn sich die Menschen noch heute den Kopf zerbrechen.

Heute leben die meisten Druiden in südlichen Gefilden Europas und verdienen ihr Geld mit Naturheilmitteln und Zaubertränken, die sie auf Grund des weltweiten Geheimhaltungs-Abkommen nur an magische Kundschaft verkaufen dürfen. Druiden gelten als stur und stolz. Sie haben nur äußert wenig für ihre Artverwandten die HEXEN übrig, scheuen aber eine offene Konfrontation, da Druiden jede Form von körperlicher Gewalt verabscheuen. Wieso sich die Hände schmutzig machen, wenn man seine Feinde einfach bequem mit ein paar Tropfen vergiften kann?

Anmerkung des Verfassers: Stonehenge ist tatsächlich nichts weiter als ein schlechter Druiden Witz, der zugegebenermaßen weder damals, noch heute besonders lustig ist. Druiden sind nicht gerade für ihren Humor bekannt.


ELF (sing. / Elf, der) Eine aus dem Norden stammende Wesensart, die auf Grund ihres humanoiden Aussehens bevorzugt unter den Menschen lebt. Man erkennt Elfen in der Regel an ihren spitzen Ohren, wobei es unter den jüngeren Elfen gerade „der letzte Schrei“ ist, sich die Ohren abrunden zu lassen. Elfen haben eine Schwäche für Kinder, sehen jedoch keinen Sinn in der Produktion solcher Geschöpfe. Sie sparen sich lieber den aufwändigen Herstellungsprozess und gehen gleich zum Endprodukt über, indem sie Neugeborene stehlen und als die ihre aufziehen. Zumindest bis zur Pubertät, denn die meisten Elfen verlieren die Interesse an ihrer Beute, wenn aus den einst goldigen Kleinkindern große und pickelige Kotzbrocken werden. Jedes zweite "Wechselbalg" landet daher früher oder später auf der Straße. (Siehe: WECHSELBALG)

Elfen lieben alles, was in irgendeiner Form glänzt und glitzert. Nicht umsonst werden sie auch gerne abfällig als "Elstern" bezeichnet. Ihre Liebe für schöne Dinge macht selbst der kleptomanischen Gier eines Domovois echte Konkurenz. Die elfische Magie nährt von den Gefühlen anderer Lebewesen, wobei besonders Wut, Trauer und Frustration als Kraftquelle dienen. Es ist somit nicht sonderlich überraschend, dass viele Elfen ihren Traumjob bei den Hotline-Zentralen großer Telefonanbieter gefunden haben. Oder bei deutschen Ämtern.

Anmerkung des Verfassers: Elfen sind nicht halb so schön, wie es in den alten Legenden der Nordvölker niedergeschrieben wurde. Die damaligen Nordmenschen hatten entweder zu viel Met intus - oder litten an einer schweren Art der Geschmacksverkalkung.


GESTALTWANDLER (sing. / Gestaltwandler, der) Menschlicher Metamorph, welcher sich in ein Tier verwandeln kann. Besonders begabte Gestaltwandler können sich in nahezu jedes Lebewesen verwandeln, jedoch verbietet die oberste Regel aus Sicherheitsgründen die Verwandlung in fiktive Tiere wie Drachen - oder gefährliche Raubtiere. Die meisten Gestaltwandler leben in familiären Clans, welche von den Oberhäuptern der Familie geführt werden. Jeder Clan hat seine ganz eigenen Regeln und Traditionen, jedoch teilen sie alle den Glauben an den großen Tiergott Khasib. Gestaltwandler haben ihren Ursprung im Alten Orient, wo sie als Wandervolk in Karawanen fernab der Menschen gelebt haben. Auch heute noch stammen die meisten Metamorphen aus Teilgebieten des Nahen Osten, haben sich aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts verstärkt in menschlichen Dörfern und Städten niedergelassen.

Da ein Metamorph ein sehr familiäres und stolzes Wesen ist, herrscht zwischen vielen Clans bereits seit Jahrhunderten verbitterte Feindseligkeit, auch wenn die jüngeren Generationen nicht einmal mehr wissen, warum sie wen jetzt aus welchem Grund genau hassen. Fakt ist, dass irgendein Bruder, oder Cousin um sieben Ecken, irgendeine Frau von irgendeinem anderen Bruder geraubt hat. Oder so ähnlich. Das reicht zum Hassen, denn immerhin hat der Stolz des eigenen Clans stets oberste Priorität.

Anmerkung des Verfassers: Jeder Clan hat eine bevorzugte Tiergestalt, in der man sich einheitlich präsentiert. Die meisten Familien haben sich für bestimmte Vögel entschieden, wie die Blaumeise, den Raben oder den stolzen Adler. Manche Familien schätzen eher Vierbeiner wie Katzen und Hunde. Selbst Nagetiere und Reptilien sind vertreten, wobei niemand den Ratten und Schlangen über den Weg traut.

GHUL (sing. / Ghul, der) Grauhäutiger Leichenfresser, der seinen Ursprung in der Arabischen Wüste hat. Man weiß nicht genau, was die Ghule aus ihrer trockenen Sandheimat gelockt hat, jedoch sind sich magische Forscher inzwischen darin einig, dass es an der Klimaerwärmung liegen muss. Vermutlich auch an der Globalisierung, denn mit einem Schlag sind diese magischen Wüsten-Aasgeier weltweit vertreten. Da Ghule bereits in ihrer alten Heimat nur in der Nacht aktiv waren, fühlen sie sich vor allem in den dunklen Kanalisationen von Städten wohl. Sie empfinden weder Hitze, noch Kälte und schützen sich vor den neugierigen Blicken der Menschen, indem sie sich von Kopf bis Fuß komplett vermummen. Auf Grund ihres aushängbaren Kiefers sind Ghule in der Lage, einen erwachsenen Menschen mit einem einzigen Bissen zu verspeisen. Ihre Magensäure ist so aggresiv, dass sie selbst Steine zersetzt. Obwohl sich diese Leichenfresser nur von Fleisch ernähren, stellen sie für Lebende keine Gefahr dar. Zumindest nicht dann, wenn man sie mit Respekt behandelt - und keine ihrer tausend Etiketten bricht. Ghule schätzen Höflichkeit, Respekt und Poesie.

Anmerkung des Verfassers: Der magische Wüstenforscher Halil Sharif schrieb in seinem Werk "Die Magie der Wüste" aus dem Jahr 1976 folgende Zeilen: [... Der Mann war bereits so gut wie tot. Halb verdurstet lag er da. Der Ghul umrundete ihn schon seit Stunden. Wie ein Geier auf seinen Tod wartend. Bevor der Mann jedoch ganz sein Leben aushauchte, drückte ihm der Ghul ein Buch in die bereits vor Durst tauben Finger. "Guter Mann", sagte der Ghul freundlich. "Seien Sie doch bitte so nett und schreiben mir noch etwas in mein Poesie-Album, bevor Sie sterben."]


HEILER (sing./ Heiler, der / -in, die) Der Begriff Heiler dient als Oberbegriff für (verschiedene) in der Magie und Heilung geschulter Wesen. Man unterscheidet gemeinhin zwischen Pragmatiker und Begabter. Die meisten Heiler fallen unter die erste Kategorie, da sie zwar über einen geringen Anteil magischer DNA verfügen, jedoch ihre Heilfähigkeit nur in Form praktischen Wissens anwenden können. Pragmatiker sind in der Lage eine magische Aura zu spüren und einfache Heiltränke ohne Mithilfe von Runen und Bannkreisen nach Lehrbuch anzuwenden. Sie wenden gelernte "Tricks" an, um Schmerzen zu lindern und Operationen bei verschiedenen Spezies durchzuführen. Ein Begabter hingegen ist mit der Fähigkeit des Heilens geboren worden - und kann allein durch Hautkontakt Einfluss auf einen Organismus nehmen. Begabte sind durch diese seltene Fähigkeit in der Lage, im Gegensatz zu dem Pragmatiker auf sämtliche Hilfsmittel zu verzichten - und ihre Patienten direkt mit magischen Heilströmen zu behandeln. Klingt nicht nur ziemlich knorke, ist es auch.

Anmerkung des Verfassers: Rein theoretisch kann sich selbst ein Mensch, der über keine direkte Magie verfügt, zu einem Pragmatiker ausbilden lassen. Jedoch sind die Gesetze für ein Arbeitsverhältnis zwischen einem magischen Arbeitgeber und einem nicht-magischen Arbeitnehmer auf Grund der Europäischen Geheimhaltungsverordnung äußerst streng. Unzählige Vorschriften müssen eingehalten werden. Allein der Anmeldeantrag umfasst 64 Seiten. Die Bearbeitungszeit dauert rund zehn Monate – und irgendwo fehlt immer ein Stempel. (Die nach Frustration dürstenden elfischen Beamten machen das zermürbende Prozedere auch nicht gerade leichter.)

HEXE (sing. / Hexe, die / Alternativ; Hexer / Hexenmeister, der) Auf Grund der etwas irritierenden Bezeichnung „Hexe“ wurden allein in Europa unzählige (und unschuldige) Frauen von humorlosen Fanatikern auf dem Scheiterhaufen verbrannt, während die eigentlich gesuchten Herrschaften laut klatschend in der Zuschauermenge standen. Obwohl Hexen stets männlichen Geschlechts sind, hatte es der damalige Hexenzirkel für gesünder gehalten, die in einem Anfall männlichen Stolzes geplante Umbenennung in „Hexer“ (oder Hexenmeister) erst einmal unter den Tisch fallen zu lassen. Zumindest für so lange, bis man keine Scheiterhaufen mehr baute. Da man aber nie wissen kann, wann die nächsten religiösen Spinner mit Fackeln und Heugabeln auf dumme Ideen kommen, hat seit der Frühen Neuzeit niemand mehr einen zweiten Versuch bezüglich der Korrektur dieses verwirrenden Genus-Fehler unternommen. Der Begriff „Hexe“ hat somit noch heute seine Gültigkeit - und verwirrt weiterhin mit Erfolg.

Hexen sind gemeinhin als verschlagene, gerissene und selbstsüchtige Betrüger bekannt. Durch ihre sich selbst heilenden Körper neigen sie zu ausgeprägten Exzessen, bei denen nicht selten Sex, Alkohol und Drogen eine größere Rolle spielen. Hexen können den Verstand anderer Wesen manipulieren und die Magie der Natur in Beschwörungskreisen binden. Natur und Hexen leben im Einklang – aber bitte möglichst weit voneinander entfernt. Da manche Hexen die Natur nicht nur fühlen, sondern auch hören können, bevorzugen sie das Leben in möglichst asphaltierten und ungrünen Großstädten, wo sie vor dem Dauergerede der Pflanzenwelt ihre Ruhe haben. Hexen haben ein Talent für das Anhäufen von Schulden, welche sie selten bis nie bezahlen.

Anmerkung des Verfassers: Traue niemals dem Lächeln einer Hexe! Wenn eine Hexe lächelt, ist dieser narzisstische Mistkerl vermutlich gerade dabei dich übers Ohr zu hauen - oder er hat eine Affäre mit deiner Frau. Oder deinem Mann. Hexen sind äußerst flexible Liebhaber.


KOBOLD (sing. / Kobold, der) Der in Mitteleuropa beheimatete Kobold ist der raue (und etwas verwahrloste) Cousin des ELFEN, wobei sich beide Arten trotz ihres gemeinsamen Ursprungs zutiefst hassen. Während Elfen Geld und Bling-Bling lieben, lehnen Kobolde jede Form von Kapitalismus ab. Sie leben bevorzugt in Städten, wo sie in größeren Gangs in besetzten Häusern oder alten und ausrangierten Gebäuden hausen. Im Umgang mit Kobolden ist stets auf politische, so wie soziale Korrektheit zu achten, da sie als größte "Soziale Gerechtigkeitskrieger" aller Zeiten gelten. Da diesen Wesen jede Art von Sarkasmus völlig fremd ist, wird empfohlen, in ihrer Nähe keine gewagten Witze oder gar scherzhafte Randbemerkungen zu machen. (Es sei denn, man findet Gefallen daran, seine Zähne nach einer ordentlichen Tracht Prügel vom Asphalt aufzusammeln.) Kobolde verfügen mit ihren zwei spitzen Ohren über ein zuverlässiges und enorm empfindliches Gehör. Sie sind häufig Kettenraucher, schnorren gerne und man riecht sie meistens schon, bevor man sie sieht.

Anmerkung des Verfassers: Der berühmte Zauberforscher G. L. Krosperg definierte in seinem 1989 erschienenen Werk "Wieso man seine magischen Pappenheimer kennen sollte" das allgemeine Bild eines Kobolds so: [... Man weiß, dass es ein Kobold ist, wenn es plötzlich nach abgestandenem Bier stinkt, Nietengürtel klirren und irgendwer hinter einem lallt: "Ey, Keule! Haste mal ne Mark?"]


PIXI (sing. / Pixi, der) Trotz ihrer kleinen Größe verfügen Pixis über ein gigantisches Gewaltpotenzial. Sie wachsen gemeinsam mit ihren Schwestern, den FEEN, zwischen fünfzig bis hundert Nestlingen in viel zu engen Brutnestern auf und lernen somit früh, ihre Ellenbogen einzusetzen. Nur die Stärksten überleben, da eine Pixi- und Feenbrut dauerhaft akuten Gefahren ausgesetzt ist. (Hungrige Vögel und Menschen mit elektrischen Fliegenklatschen, nur um mal zwei Beispiele zu nennen.) Auf Grund ihrer hohen Gewaltbereitschaft kämpfen Pixis gerne. Besonders der recht grausige Pixi-Wettkampf, bei denen zwei gegeneinander antretende Pixis in eine Waschmaschine gesperrt werden und wild aufeinander losgehen, erfreut sich in der Wettbranche großer Beliebtheit. Der Schutzbund Magischer Kreaturen (kurz SMK) hat sich schon mehrmals versucht einzuschalten, jedoch ist es schwer für das Recht einer scheinbar misshandelten Spezies einzutreten, wenn diese großen Gefallen daran findet, sich gegenseitig den Kopf abzureißen.

Anmerkung des Verfassers: Pixikämpfe finden häufig in Waschsalons statt. Trotz sich mehrender Razzia und verschiedenen Stadtzirkeln, die massiv gegen diesen illegalen Wettkampf vorgehen, erfreut sich dieser an immer neuen Teilnehmern und Organisatoren.

POLTERGEIST (sing. / Poltergeist, der) Wandelnder Geist der Kategorie Vier. Poltergeister sind nicht nur äußerst lästige Wesen, sondern auch gefährlich, da sie im Gegensatz zum einfachen Geist mit Gegenständen agieren können. Sie richten bei einer Heimsuchung nicht nur massiven Sachschaden an, sondern quälen und erschrecken gerne die im heimgesuchten Ort lebenden Menschen. Poltergeister sind die niemals zur Ruhe gekommenen Seelen ermorderter Opfer, die nun die Lebenden heimsuchen, um mit ihnen ihren grausamen Schabernack zu treiben. Während ein einfacher Geist ein leicht depressiv und stumpf wirkender Schatten aus dem Jenseits ist, von dem keinerlei Gefahr ausgeht, verfügt ein Poltergeister über die Gabe des Wandelns und liebt es, Menschen zu Tode zu erschrecken. Besonders beliebt sind Erscheinungen von toten Kindern, mutierten Affen-Zombies und fiktiven Monstern mit Flügeln und Hörnern. Poltergerister halten sich selbst für unfassbar witzig, verfügen jedoch meist nur über ein jämmerliches Repertoire an miesen Klopf-Klopf-Witzen. Das einzige Wesen, vor dem ein Poltergeist auch nur einen Funken Respekt hat, ist der DOMOVOI.

Anmerkung des Verfassers: Eigentlich können Poltergeister weder Angst, noch irgendeine Form von Schmerz empfinden. Jedoch weiß jeder, der schon einmal von der Geister-Mafia mit Daumenschrauben bearbeitet wurde, dass Folter reine Kopfsache ist.


SIRENE (sing. / Sirene, die) Seelenfressendes Wesen weiblichen Geschlechts. Sirenen leben bevorzugt in feuchten, so wie nass-kalten Gebieten. Diese nahezu grausam schönen Geschöpfe lassen sich nicht wie die meisten Wesen für eine längere Zeit an einem festen Ort nieder, sondern folgen den Jahreszeiten. Während sich Sirenen im Frühling und Sommer nahezu komplett in den hohen Norden zurückziehen, breiten sie sich im Herbst und Winter wie eine Heuschreckenplage über gesamt Mittel- und Osteuropa aus. Sirenen jagen stets bei Nacht, da ihnen Raubzüge am hellichten Tag untersagt sind. Sie locken ihre männlichen Opfer an abgelegene Orte, um ihnen anschließend die Seele auszusaugen. Das betroffene Opfer überlebt zwar die grausige Prozedur, begeht jedoch früher oder später Selbstmord.

Sirenen sind bezüglich ihrer Männer äußert wählerisch, wobei nicht das Aussehen entscheidet, sondern allein die Seele. So jagen Sirenen bevorzugt einsame Menschen, Gestaltwandler und Hexen, machen jedoch einen großen Bogen um Domovois, da sie die Seelen dieser verfluchten Hausgeister als vergiftet betrachten. Untote sind ebenfalls nicht von Interesse, da Tote kein neues Leben erschaffen können. Sirenen pflanzen sich in einem bestimmten Zyklus durch den Seelenraub fort, wobei der genaue Ablauf - und das große WIE - bisher gänzlich unerforscht sind.

Anmerkung des Verfassers: Seit der Markteinführung von Dating-Apps leben die meisten Sirenen wie im Paradies. Sex-Treffen auf Abruf. Schnell. Unkompliziert und vor allem eine unerschöpfliche Nahrungsquelle an einsamen Männern.


TROLL (sing. / Troll, der) Humanoide Spezies, welche durch magische Mutationen die Statur von gleich zwei Kleiderschränken besitzt. Man unterscheidet grundsätzlich zwischem dem Rumänischen Bergtroll und dem Polnischen Waldtroll. Während der Rumänische Bergtroll etwas kleiner ist und die Menschen lieber meidet, reißt sein polnischer Artgenosse verirrte Wanderer in Stücke und verschleppt gerne überraschte Camper. Der Polnische Waldtroll gilt auf Grund seiner brutalen Grausamkeit als äußerst gefährlich. Trotz seiner stolzen Größe von durchschnittlichen 2,5 Metern ist er ein geübter Läufer. Durch seine magische Haut ist es kaum möglich ihn zu erschießen, oder anderswertig irgendwie zu verletzen. Der Polnische Waldtroll ist ein Allesfresser und Musikliebhaber. Er hält seine Opfer oftmals für mehrere Monate gefangen und zwingt sie, ihm etwas vorzuspielen oder vorzusingen. Hat der Polnische Waldtroll genug von seinen Gefangenen, frisst er sie bei lebendigem Leib.

Anmerkung des Verfasser: Zum Glück gibt es nur sehr wenige Trolle, denn ein einziger Vertreter dieser Gattung genügt, um ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken zu versetzen. Besonders männliche Trolle sind äußerst aggressiv und haben die Geduld eines Cholerikers nach der achten Tasse Kaffee.


UNTOTER (sing. / Untoter, der / Alternativ; Zombie, der) Wandelnde Leiche, die trotz ihres Todes weiterhin (oder wieder) am Leben teilnimmt. Untote können ihre abgestorbenen Körperteile mit Hilfe von magischen Impulsen steuern. Sie verfügen selbst im verwesten Zustand über erstaunliche Feinmotorik, haben jedoch starke Probleme im Bereich der Kommunikation. Vielen Untoten fällt es trotz hervorragender Körperbeherrschung schwer zu sprechen, wodurch sie häufig nur knappe und kurze Sätze bilden. Im Gegensatz zu einem DOMOVOI oder einem GEIST ist der Untote fest an seine fleischliche Hülle gebunden. Die meisten Untoten sind sogenannte "Wiederaufsteher", die von sich in der Erde entladender Magie geweckt und schlussendlich aus ihren Särgen getrieben wurden. Da es nach dem zweiten Weltkrieg vor allem in Deutschland, Polen und größeren Teilen Russlands zu einer wahren Plage von Untoten kam, einigten sich die betroffenen Länder bei einem Krisentreffen in Brüssel auf einen Grenzwert. Die Anzahl an Untoten darf den fest vorgeschriebenen Wert nicht übersteigen. Ansonsten sind die für das betroffene Gebiet zuständigen Zirkel zu einer Eindämmung gezwungen.

Anmerkung des Verfasser: Obwohl Untote von der Magischen Union als ungefährlich eingestuft wurden, sind sie bei anderen Zauberwesen auf Grund ihres schlechten Musikgeschmacks gefürchtet. Niemand weiß, wieso diese ruhelosen Toten nach dem Verlassen ihres Sargs plötzlich nach schlechtem Hip-Hop und Rap dürsten, jedoch vermuten französische Forscher, dass der typische Sprechgesang auf Grund seines Rhythmus das sonst reizlose Gehirn eines Untoten stimuliert.


VAMPIR (sing. / Vampir, der) Blutsaugende Kreatur aus dem Balkan. Auf Grund übertragbarer Krakheiten wie HIV galten die leicht kränkelnden Vampire für lange Zeit als nahezu ausgestorben. Der blutige Jugoslawienkrieg sorgte jedoch für eine Renaissance unter den Vampiren, die sich in dem herrschenden Chaos prächtig amüsierten und es ordentlich krachen ließen. Sie mordeten, plünderten und schändeten was das Zeug hielt und wurden in Albanien, Serbien und dem heutigen Kosovo zu einer echten Plage. Die Vampire konnten erst Ende der 90er aufgehalten werden, da man ganzen Landstrichen und Dörfern den Erdboden gleich machte, in denen sie sich eingenistet hatten. Sie wurden so gezielt gejagt und hingerichtet, dass sie seit 1999 erneut als "nahezu ausgestorben" gelten.

Vampire sind äußerst gerissene Jäger, leiden jedoch unter schweren Herz- und Kreislaufproblemen. Obwohl es lächerlich klingen mag, ist Weglaufen die beste Chance, eine Begegnung mit einem hungrigen Blutsauger zu überleben. Laufen gehört nicht gerade zu ihrer Stärke und die meisten geben nach nur wenigen Metern die Verfolgung auf.

Anmerkung des Verfassers: Die in Veruf geratene Vampirforscherin Luljeta Shkodra befasste sich Ende der 90er mit den im heutigen Kosovo, Mazedonien und großen Teilen von Albanien beheimateten Vampiren, in dem sie den Spuren des Jugoslawienkriegs folgte. Ihre "taktlose Fragerei" verärgerte nicht nur verschiedene Zirkel, sondern streute auch erneute Angst unter den noch traumatisierten Opfern. Shkodra zog sich schließlich nach Griechenland zurück, um dort in Ruhe an ihrem Buch zu arbeiten, welches sie schließlich im Eigenverlag herausbrachte. Ihr Werk "Blutige Erlöser - Die unverstandene Schönheit der Vampire" löste einen gigantischen Skandal aus und wurde von der magischen Presse zerrissen.

VURVULAK (sing. / Vurvulak, der) Ein Geschöpf, welches von einem VAMPIR gezeugt wurde. Im Gegensatz zu einem ursprünglichen Vampir ernährt sich der Vurvulak nicht nur ausschließlich von menschlichem Blut und Fleisch, sondern kann unter besonderen Umständen sein komplettes Verdauungssystem "umprogrammieren". Somit kann er auch über einen längeren Zeitraum andere Nahrung zu sich nehmen, wie etwa Getreide und Milchprodukte - nach Blut und Fleisch verzehrt er sich jedoch weiterhin. Die ersten Vurvulaks waren das Erzeugnis von Vampiren und sogenannten Wander-Werwölfen, die ohne Rudel im 19. Jahrhundert wegen der starken Verfolgung aus Indien geflohen und durch das heutige Balkangebiet gezogen waren.

Da viele Vurvulaks an einer schweren Form der Schizophrenie leiden, haben sie generell keine besonders hohe Lebenserwartung. Wenn sie nicht von Vampiren oder Jägern getötet werden, tun sie es meist in einem Anfall brutaler Raserei selbst.

Anmerkung des Verfassers: Die meisten Vurvulaks sind durch ihre vermischte Genetik von keinem Volk anerkannt - oder besonders beliebt. Andere Zauberwesen fürchten diese übernatürlich schnellen Geschöpfe und selbst Vampire halten sich lieber von ihnen fern. (Vampire sind generell nicht gerade die Eltern des Jahres. Die meisten Blutsauger fressen ihre Nachkommen, sobald diese krank, verletzt oder schwach sind.)


WERWOLF (sing. / Werwolf, der) Ein vom Mondzyklus abhängiger Theriomorph, welcher seit dem 19. Jahrhundert als ausgestorben gilt. Im Gegensatz zu dem Gestaltwandler, welcher als Metamorph seine Verwandlung unabhänging von äußeren Einflüssen jederzeit und nach Belieben einleiten kann, verfügte ein Werwolf bei der Verwandlung über keinen freien Willen. Auch wenn Werwölfe die meiste Zeit in menschlicher Gestalt lebten, verwandelten sie sich bei Vollmond unaufhaltsam in wolfsähnliche Kreaturen, welche über den Körper und die Instinkte eines bestialischen Raubtiers verfügten. Zeitgenössische Quellen belegen den südasiatischen Raum als ehemaligen Heimatort dieser Geschöpfe.

Mit der englischen Besetzung Indiens began die Hetzjagd nach den Werwölfen. Durch die massive Verfolgung nahezu ausgerottet, flohen die Übrigen nach Mitteleuropa, wo sie letzendlich Opfer mehrerer Epidemien wurden, gegen die das geschwächte Immunsystem der Theriomorphen nichts ausrichten konnte.

Anmerkung des Verfassers: Angeblich war ein Elefant das einzige Geschöpf, vor dem sich ein Werwolf fürchtete. Experten vermuten, dass der elefantenköpfige Gott Ganesha im Hinduismus ursprünglich als Schutzpatron vor dem Vollmond und den Theriomorphen angebetet wurde - und später nach dem Aussterben der Werwölfe eine neue Rolle zugeteilt bekam.




©2019 - Text: Naduschka Kalinina / Bild: Alexandru Petre (Ornamente) & Elias Schäfer (Verzierung)


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